Der Aufstand vom 17. Juni: 70 Jahre danach

 

Sowjetische Panzertruppen stehen vor den Demonstranten (Foto: Bundesregierung/Perlia-Archiv)

Vor genau 70 Jahren, am Morgen des 17. Juni 1953, brach ein Aufstand innerhalb des gesamten Gebiets der DDR aus, welcher prägend für die deutsche Nachkriegsgeschichte war. An diesem Tage erhoben sich Arbeiter und Bauern sämtlicher Betriebe und wehrten sich gegen stalinistische Politik ihrer Regierung. Der Aufstand, welcher in über 700 Städten und Gemeinden stattfand, wurde rasch von sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen. Der 17. Juni 1953 markiert nicht nur einen Wandel in der deutsch-deutschen Geschichte, sondern ruft auch zum Nachdenken über Frieden und Freiheit in der Welt auf.

Am 15. Juni hielt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck im Berliner Abgeordnetenhaus eine Rede, anlässlich der Gedenken des Aufstands:

Wenn wir heute daran erinnern, dann erinnern wir – in den Worten von Bundespräsident Johannes Rau – an ein Stück „deutscher Freiheitsgeschichte“
– Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.

 

Wie es zum Aufstand kam

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt: die amerikanische, britische, französische und sowjetische Zone. Nach der Gründung beider deutschen Staaten im Jahr 194, begannen sich beide Staaten unabhängig voneinander gemäß ihrer politischen Ideologien zu entwickeln:
In der zunächst sowjetisch kontrollierten DDR wurde eine kommunistische Regierung unter der Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) etabliert. Diese bemühte sich, die Wirtschaft zu verstaatlichen und eine zentralisierte Planwirtschaft nach sowjetischen Vorbild einzuführen. Dies führte zu wachsender Unzufriedenheit und sozialen Spannungen in der Bevölkerung, vor allem bei Großbauern, da sie ihre Landgüter aufgeben mussten. Die Bedingungen verschlechterten sich weiter, als im Jahr 1952 nach Stalins Tod die staatliche Verwaltung eine Politik der erhöhten Arbeitsnormen und Produktionsziele fortführte. Die Arbeiter und Bauern waren mit übermäßiger Arbeitsbelastung, niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen konfrontiert.
Am 16. Juni 1953 begann der Funke des Widerstands zu lodern. Bauarbeiter in Ost-Berlin streikten gegen die erhöhten Arbeitsnormen. Der Protest weitete sich schnell aus und erreichte am 17. Juni 1953 seinen Höhepunkt. Hunderttausende Menschen gingen in über 700 Städten und Gemeinden in Ostdeutschland auf die Straße, um gegen die politischen und wirtschaftlichen Missstände zu protestieren.
Der Aufstand vom 17. Juni 1953 war ein Zeichen des Widerstands gegen die stalinistische Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht.

Reaktionen und Folgen

Die Reaktionen auf den Aufstand vom 17. Juni 1953 waren sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene vielfältig. Die sowjetische Führung und die Regierung der DDR unter der SED waren schockiert und fühlten sich bedroht. Um die Kontrolle wiederzuerlangen, griffen sie zu drastischen Maßnahmen:
Die sowjetische Armee und die Volkspolizei wurden mobilisiert, um die Aufstände niederzuschlagen. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen, bei denen viele Menschen getötet, verletzt oder verhaftet wurden.
Internationale Reaktionen auf den Aufstand waren ebenfalls gemischt. In den westlichen Ländern wurde der Aufstand mit Sympathie betrachtet. Die Bilder des Protests und des Widerstands gegen den Kommunismus verstärkten das negative Bild des Ostblocks und des sowjetischen Einflusses. Westliche Regierungen und Medien unterstützten den Aufstand und verurteilten die brutale Unterdrückung durch die sowjetischen Truppen.
Einige westliche Länder, insbesondere die USA, nutzten den Aufstand als Argument in ihrem politischen Kampf gegen den Kommunismus im Kalten Krieg. Sie versuchten, den Aufstand als Beispiel für die Unzufriedenheit der Menschen unter kommunistischer Herrschaft zu nutzen und die sowjetische Besatzung in ein schlechtes Licht zu rücken.
Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 wurde dieser Tag in der BRD als Feiertag anerkannt, um an den Mut der Aufständischen zu erinnern. Der 17. Juni wurde zum „Tag der deutschen Einheit“ (mit kleinem „d“) erklärt und war ein nationaler Feiertag, der die Sehnsucht nach einem vereinten und freien Deutschland symbolisierte.
Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde der Feiertag jedoch geändert. Der 3. Oktober, der Tag der offiziellen Wiedervereinigung, wurde fortan als nationaler Feiertag eingeführt. Der 17. Juni wurde stattdessen als „Tag des Gedenkens an den Aufstand vom 17. Juni 1953“ bezeichnet und diente fortan als Gedenktag, um an die Ereignisse und die Opfer des Aufstands zu erinnern.
Langfristig hatte der Aufstanderheblichen Einfluss auf die politische Entwicklung in Deutschland. Der Widerstand und die Unzufriedenheit der Menschen blieben bestehen. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Widerstand der jüngeren Generation gegen die sozialistische Regierung, was letztendlich zur Friedlichen Revolution von 1989 und zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 führte.

Lehren für die Gegenwart

Aus dem Aufstand vom 17. Juni 1953 können wir heute wichtige Lehren ziehen. Er erinnert uns daran, dass die Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte von unschätzbarem Wert sind und dass sie niemals als selbstverständlich betrachtet werden dürfen. Der Aufstand verdeutlicht auch die Kraft und den Mut des Einzelnen, sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu erheben. Wir gedenken den Opfern des Aufstands vom 17. Juni 1953, die ihr Leben verloren oder gelitten haben, während sie für ihre Überzeugungen kämpften. Ihre Opferbereitschaft und ihr Einsatz für Freiheit und Demokratie werden in unserer Erinnerung lebendig bleiben. Ihr Mut dient uns als Mahnung, wachsam zu sein und uns für eine Gesellschaft einzusetzen, in der Rechte und Würde jedes Einzelnen geachtet werden.
Möge der Gedenktag des Aufstands vom 17. Juni 1953 uns daran erinnern, dass wir die Verantwortung tragen, für eine freie und gerechte Gesellschaft einzustehen. Lasst uns aus der Vergangenheit lernen, damit sich solche Unterdrückung und Unrecht nicht wiederholen.
In Gedenken an diejenigen, die ihr Leben für Freiheit und Gerechtigkeit gegeben haben, setzen wir uns dafür ein, dass ihre Opfer nicht umsonst waren und dass ihr Erbe in unserer Gesellschaft weiterlebt.

Ruben W. (10. Jgs.)

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